Glossar

Adverbiale Ein Adverbiale ist ein Satzglied, das nähere Umstände der Prädikatshandlung nennt. Es kann vom Prädikatsverb aus mit „wann?“, „wo?“, „von wo?" „wohin?", „wie?“, „warum?“, "in welcher Hinsicht?" usw. erfragt werden.
Beispiel: Hodie Romae sumus.
analytische Verbform Eine analytische Verbform ist im Lateinischen gewöhnlich eine Verbform des passiven Perfektsystems, die aus einer finiten Form von esse und einem Partizip besteht. In der Wachstafelngrammatik werden analytische Verbformen graphisch nicht von synthetischen Verbformen unterschieden.
Beispiel: Puer laudatus est.
Attribut Ein Attribut ist ein Satzgliedteil, das zu einem Substantiv, substantivierten Verbalnomen, Adjektiv, Pronomen oder Adverb "hinzugefügt" ist. Dabei besteht zwischen dem Attribut und Bezugswort KNG-Kongruenz (z.B. bei einem Adjektiv), NG-Kongruenz (z.B. bei einem Relativsatz) oder nur K-Kongruenz (z.B. bei einer Apposition). Semantisch kann ein Attribut die Hauptsache bezeichnen.
Beispiel: Amamus dulces cibos.
Binnensatzglied Als Binnensatzglied wird in der Wachstafelngrammatik ein Satzglied innerhalb eines Nebensatzes oder einer satzwertigen Konstruktion bezeichnet.
Beispiel: Scimus Gallos a Romanis subiectos esse (Gallos ist Binnensubjekt).
Coniugatio periphrastica Die Coniugatio periphrastica ist ein Konjugationssystem, das aus beliebigen Patizip-Futur-Formen und Formen von esse besteht. Formen der Conigatio periphrastica werden dann an Stelle der gewohnten Tempora eingesetzt, wenn ein besonderer Aspekt der Verbalhandlung betont werden soll (z.B. das unmittelbare Bevorstehen) oder eine fehlende Verbalform ersetzt werden muss (z.B. Konjunktiv Futur zur Bezeichnung der Nachzeitigkeit).
Beispiel: Non dubito, quid responsurus sis.
Ergänzung / ergänzen "Ergänzung" und "ergänzen" sind Fachbegriffe der Valenzgrammatik, die in der Wachstafelngrammatik auch berücksichtigt wird. Als Ergänzung bezeichnet man ein Wort odere mehrere Wörter, die so eng mit dem Prädikat verbunden sind, dass sie von diesem (durch den machen-Test) nicht abgespalten werden können.
Beispiel: Mater Atiae heri pecuniam dedit.
Erläuterung / erläutern
"Erläuterung" und "erläutern" werden in der Wachstafelngrammatik als Fachbegriffe für die allgemeine Aufgabe eines Subjekts, Objekts und Adverbiales in Bezug auf das Prädikat verwendet. Ein Subjekt "erläutert" das Prädikat insofern, als es einen mit  „Wer oder was?“ zu erfragenden Inhalt nennt, ein Objekt insofern, als es meistens einen mit „Wem oder was?“ bzw. „Wen oder was?“ zu erfragenden Inhalt anführt, und ein Adverbiale insofern, als es die Prädikatshandlung durch einen Umstand (kausaler, temporaler, lokaler oder anderer Natur) näher bestimmt. Subjekt und Objekt müssen "Ergänzungen" sein, beim Adverbiale ist dies nur möglich.
Beispiel: Mater Paulae heri pecuniam dedit.
Explikativsatz
Nebensatz, der in der syntaktischen Funktion eines Attributs ausschließlich ein neutrales Pronomen oder ein Substantiv erklärt. Wenn das erklärte Pronomen jedoch nur ein präparatives ist (z.B. rogare id, ut) oder das erklärte Substantiv zu einem verbalen Ausdruck gehört (z.B. lex est, ut), liegt ein explikativer Kausalsatz des faktischen Inhalts, ein explikativer Finalsatz des begehrten Inhalts usw. vor.
Beispiel: Hoc apparet in bestiis, ut se ipsae diligant. [Da apparet nur durch einen AcI erläutert werden kann, muss der ut-Satz eine Erläuterung von hoc sein.]
Füllungsart
Wortarten, satzwertige Konstruktionen und Nebensatzarten, die ein Satzglied füllen, d.h. verwirklichen können. Füllungsarten werden wiederum durch konkrete Wörter verwirklicht.
Beispiel: In dem Satz "Errare humanum est" ist errare bei Betrachtung der Satzoberfläche einfach nur das Wort errare, bei abstrakterer Betrachtung ein Beispiel für die Füllungsart Infintiv und bei ganz abtrakter Syntaxanalyse eine Verwirklichung des Satzglieds Subjekt.
Gliedsatz
Nebensatz, der die syntaktische Funktion eines Subjekts, Objekts oder Adverbiales ausübt. Relativsätze, die die Funktion eines Attributs ausüben, sind keine Gliedsätze.
Beispiel: Quaero ex te, quando me visitaturus sis.
Hilfsverb esse
Ein Hilfsverb ist ein Verb, das zur Bildung analytischer Verbformen verwendet wird. Im Lateinischen gibt es fast nur das Hilfsverb esse, selten übernehmen habere und tenere diese Rolle.
Beispiel: Marcus laudatus est.
KNG-Kongruenz
Übereinstimmung eines Attributs mit einem Bezugswort in Kasus, Genus und Numerus.
Beispiel: Videmus pulchra animalia.
Konjunktion
Bindewort zwischen zwei Hauptsätzen
Beispiel: Paula ridet, sed Marcus tacet.
Konjunktiv I
Fachbegriff der deutschen Grammatik: Ein Verb in der Form des Konjunktiv Präsens oder des Konjunktiv Perfekt (besonders in deutscher indirekter Rede).
Beispiel: Peter behauptete, er wisse nichts von dem Geld.
Konjunktiv II
Fachbegriff der deutschen Grammatik: Ein Verb in der Form des Konjunktiv Imperfekt oder des Konjunktiv Plusquamperfekt (besonders zur Bezeichnung einer irrealen Möglichkeit).

m Deutschen gibt es außerdem einen Konjunktiv I und II der Nachzeitigkeit.

Beispiel: Wenn ich ein Vöglein wär', flög' ich zu dir.
Kopula esse
Inhaltsleeres Verb, das zusammen mit einer sinntragenden Füllungsart (Substantiv im Nominativ oder Genitiv oder Dativ oder Ablativ, Adjektiv, Adverb, Gerundivum der Notwendigkeit) das Prädikat bildet. Im Lateinischen übernimmt nur esse die Rolle einer Kopula.
Beispiel: Ager arandus est.
kopulatives
Verb
Ein kopulatives Verb erhält erst durch einen Gleichsetzungsakku- sativ oder -nominativ eine besondere Bedeutung (dicere mit dopp. Akk.). Deshalb gilt ein Verb, wenn es mit Gleichsetzungsakkusativ oder -nominativ verwendet wird, nur als kopulativ und der Gleichsetzungsakkusativ oder -nominativ als Sinnträger.
Beispiel: Tabulae incorruptae et integrae manent.
Nebensatz
Ein Nebensatz ist ein Teilsatz, der einem Hauptsatz oder anderen Teilsatz untergeordnet ist. Syntaktisch gliedern sich die Nebensätze in Gliedsätze (Subjektsätze, Objektsätze, Adverbialsätze) und Attributsätze.
Beispiel: Homines, qui alios adiuvant, admiramur.
Objekt
Ein Objekt ist ein Satzglied, das einen Inhalt nennt, der meistens vom Prädikatsverb aus mit „Wem oder was?“ bzw. „Wen oder was?“ erfragt werden kann.
Lateinische Verben mit Genitiv- oder Ablativobjekt oder von der deutschen Standardübersetzung abweichendem Objektskasus können nicht oder nur umständlich erfragt werden. Deshalb lernt man am besten zu diesen Verben schon beim Vokabellernen den Objektskasus dazu.
Beispiele: Caesar saepe Gallos petivit. Cibis dulcibus fruimur.
Participium coniunctum
Ein Partizip innerhalb einer Participium-coniunctum-Konstruktion. Wenn ein solches Partizip ausschließlich sein formales Bezugswort erläutert, ist es ein "attributives Participium coniunctum", wenn es zusätzlich das Prädikat erläutert, ist es ein "prädikatives Participium coniunctum".
"Coniunctum" bedeutet nicht, dass ein Participium coniunctum enger als z.B. ein Partizip in einem Ablativus absolutus mit seinem Bezugswort verbunden ist, sondern dass das Bezugswort des Participium coniunctum syntaktisch mit dem Satz verbunden ist.
Beispiele: Videmus insulam Graeciae obiectam (attributiv). Vercin-getorix victus ad Caesarem venit (prädikativ).
Participium-coniunctum-Konstruktion
Wortgruppe, die gewöhnlich aus einem Nomen ("Bezugswort"), einem darauf formal bezogenen Partizip und eventuell Erläuterungen zu diesem Partizip besteht. Wenn das Bezugswort Subjekt ist, kann es im Lateinischen auch lediglich durch die Prädikatsendung angedeutet sein.
Beispiel: Vercingetorix victus ad Caesarem venit.
Prädikat
Ein Prädikat ist ein Satzglied, das die Handlung des Satzes nennt.
Beispiel: Puer visitat avum.
Prädikativum
Adjektiv oder Substantiv, das die syntaktische Funktion eines attributiven Adverbiales ausübt.
Beispiel: Pueri laeti in scholam eunt.
"Prädikatsnomen"
S. Sinnträger.
Satzglied
Satzglieder sind das Prädikat, das Subjekt, das Objekt und das Adverbiale. Diese vier Satzglieder sind vor allem inhaltlich definiert: Das Prädikat nennt die Handlung des Satzes, das Subjekt den Handlungsträger, das Objekt einen Gegenstand der Handlung und das Adverbiale eine Umstandsbestimmung zur Handlung.
Beispiel: Pueri (S.) in ludo (A.) librum (O.) legunt (P.).
Satzgliedteil
Wenn ein Satzglied nicht nur aus einem Wort besteht, sondern aus mehreren Wörtern, nennt man diese Satzgliedteile. Dazu zählen das Attribut (Teil eines Subjekts, Objekts, Adverbiales oder mehrteiligen Prädikats), die Kopula esse, das kopulative Verb und der Sinnträger (Teile des Prädikats), das Binnensatzglied (Teil einer satzwertigen Konstruktion oder eines Nebensatzes) und das präparative Pronomen und präparative Adverb (Teile eines Subjekts, Objekts oder Adverbiales).
Beispiel: Apud Helvetios longe nobilissimus fuit Orgetorix.
satzwertige Konstruktion
Erweitertes Verbalnomen. Verbalnomina sind Infinitive, Partizipien, nd-Formen und Supina.
Beispiel: Amamus libros legere.
semantische Funktion
Die semantische Funktion eines Worts, einer Wortgruppe oder eines ganzen Nebensatzes bezeichnet deren Sinnrichtung, also z.B. die Nennung eines Grunds, einer Zeit, eines Orts usw. In der Wachstafelngrammatik werden auch die verschiedenen Sinnrichtungen des Konjunktivs als semantische Funktionen bezeichnet, also z.B. die Bezeichnung einer Möglichkeit, eines Wunsches, eines Zweifels usw.
Beispiel: Romae te visitabimus (Romae hat die semantische Funktion einer Ortsbestimmung).
Sinnträger
Inhaltsreicher Teil eines Prädikats, der zusammen mit einem kopulativen Verb oder der Kopula esse das Prädikat bildet. Die Funktion eines Sinnträgers kann ein Substantiv im Nominativ oder Genitiv oder Dativ oder Ablativ, ein Adjektiv, ein Adverb oder ein  Gerundivum der Notwendigkeit haben. Die traditionelle Bezeichnung "Prädikatsnomen" ist deshalb nicht ganz zutreffend.
Beispiel: Ubi est Aemilia?
Subjekt
Ein Subjekt ist ein Satzglied, das einen Handlungsträger nennt, der vom Prädikatsverb aus mit „Wer oder was?“ erfragt werden kann.
Beispiele: Marcus ridet. Errare humanum est. Qui alios adiuvat, bonus est.
Subjektsablativ
Nomen im Ablativ, das in einer Ablativus-absolutus-Konstruktion steht und das bei Übersetzung mit einem Nebensatz zu dessen Subjekt wird.
Beispiel: Vere ineunte gaudemus. Wenn das Frühjahr kommt, freuen wir uns
Subjektsakkusativ
Nomen im Akkusativ, das in einem AcI steht und das bei Übersetzung mit einem dass-Satz zu dessen Subjekt wird.
Beispiel: Dixisti medicum te visitavisse. Du hast gesagt, dass der Arzt dich besucht habe.
Subjunktion
Bindewort zwischen Haupt- und Nebensatz
Beispiel: Do, ut des.
syntaktische Funktion
Die syntaktische Funktion eines Worts, einer Wortgruppe oder eines ganzen Nebensatzes bezeichnet deren Rolle als Satzglied bzw. Satzgliedteil.
Beispiel: Videmus magnam arborem (magnam ist Attribut zu arborem).
synthetische Verbform
Eine synthetische Verbform ist eine finite Verbform, die aus einem Wort besteht.
Beispiel: Puer laudatur.
transitiv
Verben, in deren Valenzrahmen ein Objekt auf die Frage "Wen oder was?" liegt, heißen transitiv.
Eine Ausnahme bilden Akkusativ-Ergänzungen, die den Inhalt des Verbs wiederholen (pugnam pugnare): Solche Akkusativ-Ergänzungen bewirken nicht, dass das Verb als transitiv gilt.
Beispiel: Exspectamus senatores.
Valenz
Die Stärke eines Verbs, eine bestimmte Zahl und Form von Ergänzungen von sich abhängig zu machen, heißt Valenz.
Beispiele:
Ridere ist ein einwertiges Verb, da es nur eine Wer-oder-was-Ergänzung von sich abhängig machen kann.
Amare ist ein zweiwertiges Verb, da es eine Wer-oder-was-Ergänzung und eine Wen-oder-was-Ergänzung von sich abhängig machen kann.
Dare ist ein dreiwertiges Verb, da es eine Wer-oder-was-Ergänzung, eine Wem-Ergänzung und eine Wen-oder-was-Ergänzung von sich abhängig machen kann. Auch ire ist ein dreiwertiges Verb, da es eine Wer-oder-was-Ergänzung, eine Von-wo-Ergänzung und eine Wohin-Ergänzung von sich abhängig machen kann.
Vollverb
Vollverb nennt man die Rolle eines Verbs, wenn es alleine – und nicht zusammen mit einem Sinnträger – das Prädikat bildet. Esse übt zwar meisten die Rolle eines Hilfsverbs oder einer Kopula aus, kann aber auch als Vollverb auftreten.
Beispiel: Antonius videt arborem. Sunt, qui nonnulla non vident.